Klimaangepasstes WaldmanagementFörderprogramm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

 

Fragen zu den Kriterien des klimaangepassten Waldmanagements

Hier finden Sie Antworten zu häufig, vor und während der Antragsbearbeitung aufkommenden, Fragen. Der Inhalt dieser Fragen und Antworten dient ausschließlich Informationszwecken und begründet keine Rechte und Pflichten.

Fragen zu Ihren Anträgen richten Sie bitte unter Angabe Ihrer Antragsnummer per E-Mail an klimaanpassung-wald(bei)fnr.de.

  • Welche Bedingungen (Kriterien) müssen eingehalten werden?

    Die Zuwendung setzt eine Einhaltung von übergesetzlichen und über derzeit bestehende Zertifizierungen hinausgehende Kriterien für ein klimaangepasstes Waldmanagement voraus. Die zwölf Kriterien sind Nr. 2.2 der Richtlinie für Zuwendungen zu einem Klimaangepasstem Waldmanagement oder dem Kriterienkatalog zu entnehmen.

  • Was passiert, wenn ich die Kriterien nicht einhalte?

    Die Einhaltung der Kriterien ist über ein PEFC-Zusatzmodul oder eine Bescheinigung einer anderen anerkannten Zertifizierungsorganisation (z.B. FSC) nachzuweisen. Kommt der Zuwendungsempfänger dem jährlichen Nachweis nicht nach, wird die erhaltene Zuwendung verzinst zurückgefordert.

    Für den erstmaligen Nachweis des klimaangepassten Waldmanagements besteht eine Frist von 12 Monaten. Ab dem zweiten Zuwendungsjahr muss der Nachweis jährlich bis zum 30. April erbracht werden.

  • Wer überprüft die Einhaltung der Kriterien?

    Im Rahmen regelmäßiger Audits überprüfen die Zertifizierer die Einhaltung der Kriterien. Der jährliche Nachweis der fortbestehenden Zertifizierung ist Voraussetzung für die jährliche Auszahlung der Zuwendung. Die fehlende Einreichung des Nachweises führt zur Rückforderung der gesamten Zuwendung.

  • An wen kann ich mich bei waldbaulichen Fragen wenden?

    Fragen, die die waldbauliche Umsetzung der Kriterien betreffen, sind mit dem Zertifizierer/Auditor vor Ort zu klären.

  • Ist nach Ende der Bindefrist eine Bewirtschaftung ohne Einschränkungen erlaubt?

    Ja, die Einhaltung der Kriterien bezieht sich auf den Förderzeitraum.

  • Fragen zu Kriterium 2 (Naturverjüngung)

    Muss die Naturverjüngung von Douglasie oder anderen nichtheimischen Baumarten entfernt werden, um standortheimische Baumarten einzubringen?

    Die Potentiale der Naturverjüngung sollten soweit wie möglich genutzt werden. Gegen aufkommende Naturverjüngung nicht standortsheimischer Baumarten muss nicht zwingend aktiv vorgegangen werden. Dennoch sollte eine entsprechende Durchmischung mit klimaresilienten, standortheimischen Baumarten (siehe Kriterium 2.2.5), z. B. durch zusätzliche Einbringung von Mischbaumarten (siehe Kriterium 2.2.3) oder Förderung einzelner, bereits vorhandener standortheimischer Baumarten, im Zuge waldbaulicher Pflegeeingriffe stattfinden und im Endbestand sichtbar sein. Das langfristiges Ziel soll sein, den zukünftigen Bestand mit einem überwiegenden Anteil standortheimischer Baumarten zu durchmischen.

  • Fragen zu Kriterium 3 (standortheimische Baumarten)

    Welche Baumarten gelten als standortheimisch?

    Die forstlichen Landesanstalten geben Empfehlungen zur Baumartenwahl.

    An welche forrstliche Landesanstalt kann ich mich bei Fragen zur Baumartenwahl wenden?

    Bei künstlicher Verjüngung sind die zum Zeitpunkt der Verjüngung geltenden Baumartenempfehlungen der Länder oder, soweit solche nicht vorhanden sind, der in der jeweiligen Region zuständigen forstlichen Landesanstalt zu beachten. Dabei ist ein überwiegend standortheimischer Baumartenanteil einzuhalten. Dies gilt auch, wenn die Baumartenempfehlungen der Länder oder forstlichen Landesanstalten nicht-standortheimische Baumarten aufführen.

    Weitere Informationen erhalten Sie direkt bei den forstlichen Landesanstalten:

  • Fragen zu Kriterium 4 (Sukzessionsstadien)

    Wie groß ist eine „kleinflächige Störung“?

    Kleinflächige Störungen beziehen sich auf Flächen bis zu 0,3 ha.

  • Fragen zu Kriterium 6 (Kahlschalgverbot)

    Muss bei Borkenkäfergefahr (risikobehaftete Fichtenbestände) auch Derbholz in Größenordnung von 10% auf der Fläche bleiben?

    Sofern z. B. eine Räumung nachweislich (!) staatlich angeordnet ist, ist es zulässig das Kriterium Nr. 2.2.6 auf den betroffenen Flächen nicht anzuwenden.

    Gilt das Kahlschlagsverbot auch für Niederwälder deren kulturhistorische Nutzungsform der Kahlschlag ist?

    Grundsätzlich können Waldbesitzende, die diese Form der Waldbewirtschaftung praktizieren, die Förderung im Rahmen des klimaangepassten Waldmanagements beantragen. Sie müssen dann aber auch die damit verbundenen Verpflichtungen eingehen. Die praktizierte Niederwaldbewirtschaftung ist laut BWaldG und Hessischem Landeswaldgesetz keine ordnungsrechtliche Auflage, die zu einer Nicht-Einhaltung bzw. Befreiung gewisser Kriterien gemäß 2.3 der Förderrichtlinie führen könnte. Waldbesitzenden, die eine solche traditionelle Bewirtschaftung praktizieren und die Förderung für ein klimaangepasstes Waldmanagement in Anspruch nehmen wollen, haben daher auch das Kriterium 2.2.6 (der Verzicht auf Kahlschläge über 0,3 Hektar Größe) entsprechend einzuhalten und in die traditionelle Art der Waldbewirtschaftung zu überführen.

  • Fragen zu Kriterium 8 (Habitatbäume)

    Wie müssen die Habitatbäume gekennzeichnet werden?

    Die Habitatbäume oder Habitatbaumanwärter sind nachweislich im Bestand zu kennzeichnen. Im Falle eines Audits sollten die Habitatbäume im Bestand deutlich erkennbar und auffindbar sein. Wie diese Kennzeichnung vorgenommen wird, kann der einzelne Waldbesitzende selbst entscheiden. Da sowohl Farbe als auch Bänder über einen längeren Zeitraum witterungsanfällig sein können, empfiehlt es sich, zusätzlich zur Markierung im Bestand, die GPS-Koordinaten der Habitatbäume einzulesen. Hilfreich kann ggf. auch ein Eintrag in der Flurkarte sein. 

    Wie sind die Habitatbäume auf der Fläche zu verteilen?

    Grundsätzlich sollten im Sinne der Richtlinie die Habitatbäume möglichst gleichmäßig (5/ ha) über den gesamten Betrieb verteilt sein. Sofern dies nicht in allen Beständen möglich ist (z. B. durch Kalamitäten) oder aufgrund von einer höheren Anzahl, bereits vorhandener wertvoller Habitatbäume in anderen Beständen als wenig sinnvoll erachtet wird, ist eine anteilige Verteilung der Habtatbäume auf den gesamten Betrieb grundsätzlich zulässig.

    Bei einer anteiligen Verteilung der Habitatbäume sind explizit Flächen ausgeschlossen, die nach dem Kriterium der Nummer 2.2.12 einer natürlichen Waldentwicklung vorbehalten sind oder Flächen auf denen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen eine Nutzung ausgeschlossen ist. Inwiefern eine „Klumpung“ noch vertretbar ist, ist im Zweifel mit dem Zertifizierer vor Ort zu klären.

    Ab welchem Bestandsalter sind Habitatbäume/Anwärter vorzuweisen?

    Ein Mindestalter ist nicht vorgeschrieben.

    Werden bereits geförderte Habitatbäume angerechnet?

    Ja, es erfolgen jedoch Abzüge nach Nr. 5.5 der Richtlinie.

  • Fragen zu Kriterium 9 (Rückegassenabstände)

    Kann ein vorhandenes Rückegassensystem auf 20 m weiterhin so genutzt werden?

    Ja. Bei Neuanlage von Rückegassen müssen die Abstände mindestens 30 Meter, bei verdichtungsempfindlichen Böden mindestens 40 Meter betragen. Ein Rückbau bestehender Rückegassen ist nicht erforderlich.

  • Fragen zu Kriterium 10 (Verzicht auf Düngung und PSM)

    Wie verhält es sich mit einem angeordneten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln?

    Die Bestimmungen nach Nr. 2.2.10 der Richtlinie sind nicht anzuwenden, wenn eine rechtliche Regelung oder Anordnung der Einhaltung des Kriteriums nachweislich entgegensteht.

  • Fragen zu Kriterium 11 (Wasserhaushalt)

    Welche Möglichkeiten der Wasserrückhaltung bestehen?

    Zur Erfüllung des Kriteriums „Maßnahmen zum Wasserrückhalt“ bestehen neben dem Schließen von bestehenden Entwässerungsgräben weitere Möglichkeiten. Der Abfluss von Wasser aus dem Wald kann z. B. auch verringert werden über die Renaturierung und Förderung von stehenden und fließenden Gewässern sowie Feuchtgebieten im Rahmen von wasser- und naturschutzrechtlich abgestimmten Entwicklungskonzepten, gegebenenfalls in Kombination mit der Anlage von Feuerlöschteichen. Dienlich sind zudem Maßnahmen zur Pflege und zum Erhalt einer Humusauflage sowie einer Bodenvegetation, die eine schnelle Ableitung von Niederschlägen in den Waldboden begünstigt und zur Vermeidung von oberflächigem Abfluss beiträgt. Auch eine Verringerung der Feinerschließung oder der Befahrungsintensität kann die Wasserrückhaltekapazität von Waldböden verbessern (siehe dazu auch die Ausführungen im Glossar).

  • Fragen zu Kriterium 12 (natürliche Waldentwicklung)

    Bei einer Bewirtschaftung mehrerer räumlich getrennter Flächen – wo kann/muss die Stilllegung erfolgen?

    Die Stilllegungsfläche kann sich auf mehrere, räumlich getrennte Flächen aufteilen. Die Mindestgröße von 0,3 ha gilt dabei aber auch für die Teil-Stilllegungsflächen.

    Ist eine Ausweisung der Flächen für die natürliche Waldentwicklung auch auf Kahl-/Kalamitätsflächen möglich?

    Es bestehen keine Anforderungen an die Stilllegungsfläche.

    Ist das Kriterium 2.2.12 auch erfüllt, wenn für diese bereits eine anderweitige Förderung bewilligt ist?

    Bereits geförderte Flächen mit Nutzungsverzicht können auf die Flächen zur natürlichen Waldentwicklung angerechnet werden. Für die Kalkulation der Zuwendung gilt hierbei Nr. 5.5.6.1 und 5.5.6.2 der Richtlinie.